München im November – meine Highlights

thumb_dscf1885_1024Mit Papier und Stift in Händen und meiner Kamera im Rucksack schlenderte ich durch die Landeshauptstadt Bayerns. Obwohl ich bereits mehrmals hier war, als ich in Landshut lebte und nach dem ich nach Berlin zog, hatte ich während meines Aufenthalts das Gefühl, zum ersten Mal hier zu sein. Womöglich weil München in der Vergangenheit keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, aber vielleicht auch, weil ich die Stadt diesmal mit anderen Augen sah. Oder ist dieser Ort so vielfältig, dass man ihn jedes Mal aufs Neue entdecken kann?

Das Erste, was ich besuchte, war der Viktualienmarkt. Als ich den Markt betrat, lugt die Sonne hinter den Wolken hervor und schien jeden meiner Schritte zu beobachten. Die Luft war kalt, doch die Menschen lächelten herzlich. Ich ging durch die Stände mit Souvenirs, Pflanzen, Lebensmittel, Gewürzen und Haushaltsartikel. Am Ende des Ganges zog ein Obst- und Gemüsestand meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich blieb stehen und machte ein Foto von den schönen Äpfeln, in die Herzen geritzt waren. Der Verkäufer kam mit lächelnden Augen auf mich zu und wir kamen ins Gespräch. Bevor ich ging, gab er mir einen Herzapfel mit den Worten: „Ein Apfel für Schneewittchen. Aber diesmal nicht vergiftet.“

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Herzäpfel
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Der Viktualienmarkt

Glücklich ging ich zum Marienplatz. Doch davor suchte ich in der Heilig-Geist-Kirche etwas Wärme und fand einen friedlichen Ort mit großartiger Innenarchitektur. Eine ebenfalls umwerfende Architektur bietet das Rathaus am Marienplatz. Als ich davor stand und versuchte, dieses pompöse Gebäude in meine Kamera zu fangen, kam ein Mädchen zu mir mit der Bitte, ein Foto von ihr vor dem Rathaus zu machen. Ich machte zwei, aber das war ihr nicht genug. In verschiedenen Posen und mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken stand sie da und schrie durch den Wind: „One more“. Nach gefühlten drei Stunden durfte ich endlich gehen, aber davor teilte mir die gut gelaunte Touristin noch mit, dass sie ihre Bilder bei Instagram hochladen und mich verlinken möchte. Ich gab ihr meinen Namen. Wer bin ich, dass ich „nein“ zu einem Follower sage?

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Die Heilig-Geist-Kirche
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Heilig-Geist-Kirche
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Das Rathaus

Nachdem ich mich mit einem Kakao aufgewärmt hatte, ging ich in den Englischer Garten. Vor dem idyllischen Anblick, der aus bunten Bäumen, silbernem Wasser und weißen Schwänen bestand, kam ich mir für einen Augenblick vor wie Alice im Wunderland. Während ich am Ufer stand und die Landschaft genoss, huschten ein paar Menschen eilig an mir vorbei, wahrscheinlich um der Kälte zu entkommen, die mich schließlich auch dazu bewegte, weiterzugehen. Kurz vor dem Ausgang dachte ich, ich würde träumen, denn vor mir tauchten auf einmal Menschen im Surfanzug auf und sprangen mit Surfbrettern ins Wasser. Voller Verwirrung stand ich da und bemerkte weder meinen offen stehenden Mund noch den Surfer, der links von mir aus dem Wasser kam und vorbei wollte. Als ich zur Seite ging, schenkte er mir ein Lächeln und danach noch eins, bevor er zurück ins Wasser glitt. Später erfuhr ich, dass diese Stelle berühmt ist und sich die Eisbachwelle nennt. Durch das Kaninchenloch ging ich zurück in die Realität.

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Englischer Garten
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Englischer Garten
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Der Surfer

In der Pinakothek der Moderne, in die ich am späten Nachmittag ging, wurde ich zum Stalker. Davor verweilte ich noch lange an erstaunlichen Kunstobjekten, Fotografien, Installationen und Gemälden von Berühmtheiten wie Magritte, Matisse, Dalí, Kandinsky und viel mehr. Gerade als ich den Surrealisten-Raum verlassen wollte, hörte ich, wie zwei Menschen das Motiv des Vogels in den Bildern von Max Ernst diskutierten. Ich folgte ihnen unauffällig durch die Räumlichkeiten, um ihrem Gespräch zu lauschen.

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Die Pinakothek der Moderne

Am Abend ging ich durch den Karlplatz und hörte Pachelbels Kanon von Weitem. Ich folgte der Musik und stieß auf eine Gruppe von vier Personen, die in der Kälte saßen und leidenschaftlich auf ihren Instrumenten spielten. Da ich eine große Schwäche für Straßenmusiker habe, blieb ich stehen und bekam noch Ave Maria, The Second Waltz und Can you feel the love tonight zu hören. Innerhalb von Minuten verliebte ich mich. Mit Musik kann man so leicht Herzen zum Schmelzen bringen.

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Die tollen Musiker

Während meines Aufenthaltes in München war ich immer wieder in der Bar Bierblume. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie besonders und bezaubernd dieser Ort ist. Das ist nicht nur die schöne Inneneinrichtung oder die Drinks, die serviert wurden, sondern die Menschen, die eine Atmosphäre schaffen, die ich sonst nirgends gesehen habe. Man sagte mir mehrmals, dass sie hier eine Familie seien. Für ein paar Tage wurde ich in die Familie aufgenommen und mit Wärme behandelt. Am Ende wurde ich doch etwas sentimental, München zu verlassen.

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Die Bar Bierblume

Meine Highlights in München waren nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern vielmehr die Menschen, die meine Zeit verzaubert haben. Wen es demnächst in diese entzückende Stadt zieht, sollte deshalb nicht vergessen, ein paar verrückte Freunde einzupacken, denn nicht der Ort zählt, sondern nur, wen du an deiner Seite hast.

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Autor: metropolenherz

Ich bin Thao Tran - Studentin, Reisende, Kunst- und Literaturliebhaberin. Ich freue mich über deinen Besuch.

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