Freundschaft und Melbourne

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Es gibt viele Geschichten, die von der Freundschaft erzählen. Es gibt viele Freundschaften, die unter ungewöhnlichen Umständen geschlossen werden. Diese sind meistens die schönsten und besondersten.

Ich traf Vy auf der Great Ocean Road. Das ist einer dieser Zufälle, über die man im Nachhinein nachdenkt und vermutet, dass es kein Zufall gewesen sein kann. Wir verstanden uns auf Anhieb und sie ist wie die zweite Version von mir, die dieselbe Probleme und Sorgen hat wie mein jüngeres Ich.

Man sagt, dass die schönsten Dinge passieren, wenn man nicht damit rechnet. Das Schönste, was mir in Melbourne passieren konnte, war Freunde zu haben. Zusammen mit Mai hat Vy mein Herz im Sturm erobert. Sie sind diejenigen, die meine Zeit in der fremden Metropole verschönern und lebenswerter machen.

Als wir eines Abends am Yarra River saßen und über unsere Herzensangelegenheiten redeten, erzählte mir Vy, dass sie bereits einen wichtigen Freund verloren hat, weil er von Melbourne wegziehen musste. Ich musste daran denken, wie viele Freundschaften auf dieser Weise geendet haben und der Gedanke machte mich unglaublich traurig. Aber so ist das Leben, so ist es, wenn man verreist. Man wird irgendwann in sein altes Leben zurückkehren und alles andere hinter sich lassen. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen.

An ihrem Geburtstag beschlossen wir, zusammen Ausflüge zu machen und buchten zwei geführte Touren. Als Erstes hatten wir eine Käse-, Wein-, Erdbeeren- und Schokoladenverkostung. Nach etwa 8 unterschiedlichen Weinen gingen wir auf ein Olivenfeld und Vy bastelte mir aus Löwenzahnstängeln ein Freundschaftsarmband. Als wir zwischen den Hecken liefen, hörten wir Motorgeräusche und folgten ihnen. Wir fanden einen aufgeregten Busfahrer und die Leute, die zu unserer Tour gehörten. Sie dachten, wir gingen verloren und atmeten alle erleichtert auf, als wir einstiegen.

Unser nächstes Ziel war der Grampians-Nationalpark. An diesem Tag liefen wir viel, aber dafür sahen wir die unglaublichsten Landschaften und sogar ganz viele Kängurus. Nach dem Mittagessen kletterten Vy und ich auf einen Berg und betrachteten den Wald unter uns. Es war niemand da und es war so still, dass man die einzelnen Bewegungen der Blätter hörte. Wir zündeten Kerzen an und Vy wünschte sich etwas zum Geburtstag. Als wir da saßen und Cupcakes aßen, sah sie mich glücklich an und teilte mir mit, dass noch keiner ihrer Geburtstage so besonders sei.

Am Abend kam ich nach Hause und erzählte Mai von dem aufregenden Tag. Sie war traurig, dass sie arbeiten musste und nicht dabei sein konnte. Später, als ich bereits geschlafen hatte, weckte sie mich und fragte, ob ich nicht für den Rest meines Melbourner Aufenthalts bei ihr bleiben möchte. Gerührt von dieser Einladung sagte ich sofort zu. Dann schlief ich ein und mein letzter Gedanke war, dass ich nun ein richtiges Zuhause hatte. Und zum ersten Mal fühlte ich mich in Australien richtig geborgen.

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Autor: metropolenherz

Ich bin Thao Tran - Studentin, Reisende, Kunst- und Literaturliebhaberin. Ich freue mich über deinen Besuch.

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