Ein kurzer Traum

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Ich bin in Surfers Paradise und es ist das erste Mal, seit ich in Australien bin, dass ich den Wunsch habe, für ewig hier zu bleiben. Vielleicht ist es der kurzer Zeitraum, der mir zur Verfügung steht, der mich alles intensiver genießen lässt, aber vielleicht habe ich auch tatsächlich den Ort gefunden, der alles hat, wonach ich schon immer gesucht habe.

Als ich aus Melbourne flüchtete, hatte ich nur eins im Sinne: die Wärme der Sonne – und hier gibt es reichlich davon. Während ich am weichen Sandstrand liege, denke ich über meine Zeit in Australien nach. Ich habe zuvor eine genaue Vorstellung davon gehabt, wie es sein würde, wenn ich hier bin. In der Realität ist alles anders gekommen. In der Realität ist alles realistischer, normaler und weniger idealistisch. Mein Leben hier ist so normal geworden, dass ich Urlaub brauche, und wo könnte man besser Urlaub machen als im Paradies?

Im Surfers Paradise gibt es die Q1 Tower, das höchste Gebäude der Südhalbkugel. Ich gehe hinauf und bekomme bereits im Aufzug Schwindelgefühle. Als die Tür des Aufzug sich im 77. Stock öffnet, stockt mir der Atem aufgrund des unglaublichen Anblicks. In diesem Moment höre ich gefühlt Millionen von hektisch hintereinander betätigten Kamerageräuschen und tausend Asiaten, die sich gegenseitig aus dem Weg schubsen, um die besten Selfies machen zu können. Ich setze mich auf den Boden in einer ruhigen Ecke und genieße die schöne Landschaft. Es ist ein Ineinander-Fließen von Himmel, Meer, Sand, Hochhäusern, Fluss, Verkehrsfahrzeugen, Strandtüchern und Menschen. Alles sieht statisch und endgültig aus. Und alles ist klein. Plötzlich kommt mir der Gedanke, wie schutzlos die Welt doch ist. Aber auf dieser Höhe fühle ich mich mächtig und sicher. Und für einen Augenblick scheint mir der Wunsch, die ganze Erde zu bereisen und jeden kleinen Fleck zu entdecken gar nicht mehr so schwierig.

Als ich abends zurück ins Hostel in Brisbane komme, laden mich meine Zimmergenossen ein, mit ihnen auszugehen. Wir nehmen uns ein Uber-Taxi und fahren mit Musikbegleitung durch die schöne Stadt. An uns schweben beeindruckende Skylines vorüber, die Lichter tanzen auf und ab. Und ich fühle mich gut, auch weil ich die Nacht davor das erste Mal nach langer Zeit wieder in einem Bett geschlafen habe.

Am nächsten Tag fahre ich mit meiner Kollegin Cati auf die Moreton Island. Wir gehen schnorcheln, Kajak fahren und Sandboarden. Das Sandboarden finde ich besonders toll. Als ich das erste Mal auf dem Hügel liege und mich auf den Rutsch vorbereite, habe ich Todesangst. Es ist hoch und steil und ich habe Derartiges noch nie gemacht. Aber als ich bäuchlings auf dem Brett 40-50 km/h herunterrutsche, fühle ich mich unfassbar lebendig und frei. Ich wiederhole noch einmal und dann noch einmal.

Abends fahren wir mit dem Boot zurück in die Stadt. Vom Boot aus sehen wir den orangefarbenen Himmel und die Sonne, die langsam hinter der Insel verschwindet. Cati und ich sitzen auf der obersten Terrasse des Bootes und schweigen. Es ist eine Atmosphäre, die nicht mit Worten gestört werden soll, ein Moment, der am wertvollsten erscheint, wenn Stille herrscht. Ich halte meinen Atem an und präge mir dieses Gefühl in meine Erinnerung ein. Könnte das Leben doch immer so schön sein!

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Autor: metropolenherz

Ich bin Thao Tran - Studentin, Reisende, Kunst- und Literaturliebhaberin. Ich freue mich über deinen Besuch.

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