Das Leben am Coogee Beach

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Mein erster Tag in Sydney endete mit einer Schlägerei, einem gestohlenen Handy, einem großen Polizeieinsatz und Sex in einem 6er Zimmer.

Als ich aus dem Bus ausstieg, empfing mich Linda mit offenen Armen und einem warmen Lächeln. Ich freute mich unendlich, in der Fremde ein bekanntes Gesicht zu sehen. Ich freute mich unendlich, aus meiner misslichen Couchsurfing-Lage herausgekommen zu sein.

Linda und ich kannten uns über eine gemeinsame Freundin aus Berlin. Damals stellten wir fest, dass wir beide nach Australien gehen und hatten bereits verabredet, uns hier zu treffen. Nachdem wir das Organisatorische hinter uns gebracht und ich mich einigermaßen ausgeruht hatte, gingen wir mit Mike und Tyler aus dem Hostel essen. Der Abend war unglaublich lustig, so beschlossen wir, ein paar Getränke zu kaufen und uns an den Strand zu setzen, wo die Anderen aus dem Hostel bereits warteten. Wir fingen an, Ich habe noch nie zu spielen und tranken dabei Havannah Club mit Coke. Plötzlich kam ein Jugendlicher und fragte Mike nach einer Zigarette, worauf Mike antwortete, dass er nicht rauchte. Der Junge fühlte sich respektlos behandelt und fing an zu schreien. Innerhalb weniger Minuten kamen seine Freunde und umzingelten uns. Als sie später gingen, zeigte mir Mike seine blutigen Lippen. Ein Anderer aus dem Hostel wurde ebenfalls ins Gesicht geschlagen. Nach einer Weile stellte Tyler fest, dass sein Handy weg war. Die Suchaktion begann. Als der Rest der Menschen am Strand mitbekam, was passierte, rannte ein Mädchen zu uns und teilte mit, dass es den Zigarettenschnorer gesehen hatte, wie dieser jemandem ein Handy gab. Die Beschreibung passte genau auf Tylers Handy. Das Mädchen ging zu dem Möchtegern-Gangster und stellte ihn zur Rede. Auf einmal zog er seine Jacke und seinen Gürtel aus, warf seine Käppi auf den Boden und wollte sich prügeln. Linda und ich gingen hoch ins Hostel und riefen die Polizei. Als sie kam, waren die Kinder bereits weg und Tyler verlor sein Handy mit den gesamten Urlaubsfotos.

Um halb drei ging ich ins Bett und versuchte, den aufregenden Tag mit etwas Schlaf zu besänftigen. Kaum machte ich die Augen zu, hörte ich ein leises Stöhnen. Erst dachte ich, dass jemand im Schlaf redete. Dann fing mein Bett an zu quietschen und zu schaukeln und ich bekam das Gefühl, seekrank zu sein. Als ich noch mehr Stöhnen hörte, presste ich das Kissen gegen beide Ohren. So war also das Leben im Hostel! Am nächsten Tag hörte ich jemanden sagen, dass in der Nacht das Pärchen unter mir Sex gehabt hatte. Und ich hatte noch gehofft, all das nur geträumt zu haben.

In der Nacht danach bekam ich kein Auge zu, weil vor meinem Zimmer eine Saufparty stattfand und meine Ohrstöpsel gegen die Lautstärke nicht ankamen. Als am Morgen das Fenster noch mit einer Bierflasche eingeschlagen wurde, zog ich in ein anderes, ruhigeres Zimmer, das nur ein Mädchen mit mir teilte. Am Abend gingen wir in einen Club namens SASH. Wir tranken viel und hatten ebenso viel Spaß. Als der Morgen kam, checkte ich aus und zog mit Linda in ein WG-Zimmer, unweit von Surfside Coogee Beach Hostel. Meine erste WG. Zum ersten Mal in Sydney konnte ich schlafen, tief und fest. Ich fing an, zu versuchen, ein nicht touristisches Leben zu führen und kaufte im Supermarkt ein, kochte und redete mit Einheimischen.

In Circular Quay vor dem Opernhaus lernte ich einen argentinischen Jogger kennen, von dem ich an jeder Ecke ein Foto machen sollte. Wir gingen am Ufer spazieren und er teilte mit mir Weisheiten über Liebe, über Familie und Vaterschaft. Am Schluss tranken wir vor dem Opernhaus ein Bier zusammen und ich ging dann zum Vollmondfest, wo Linda, Tyler und Lindas neuer Kommilitone auf mich warteten. Das Vollmondfest bestand aus einer kleinen Feuershow, einigen Trommlern und Tänzer und viel Alkohol. Wir saßen auf dem Sand, tranken und redeten über unsere Sorgen und Wünsche. Dann gingen wir den Strand entlang, kletterten auf Klippen und krochen in Höhlen. Linda und ich sangen Popsongs, lobten einander und stiegen um halb vier morgens mit Sand am ganzen Körper in unsere Betten. Bevor ich einschlief, huschte ein Gedanke durch meinen Kopf: wie schön es doch ist, eine Mitbewohnerin zu haben.

An meinem letzten Tag in Sydney fuhr ich mit dem Zug zu den Blue Mountains. Ich sah dort Wasserfälle, Berge und Bäume. Überall Bäume. Ich fühlte, wie meine Seele den Frieden fand, mitten in der Natur. Auf dem Weg zum Bahnhof erzählte der Busfahrer Anekdoten aus seinem Leben als Hop-on-hop-off-Busfahrer. Der gesamte Bus lachte nach jeder Geschichte. Am Bahnhof angekommen, hörte ich von Weitem einen Straßenmusiker Love Story singen. Ich blieb eine Weile stehen und genoss die schöne Musik. Am Ende des Songs sah er hoch und nickte mir zu. Das war Sydneys Abschiedsgeschenk an mich. Ein toller Song, ein toller Tag. Tschüss Sydney, vielleicht bis eines Tages wieder.

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Autor: metropolenherz

Ich bin Thao Tran - Studentin, Reisende, Kunst- und Literaturliebhaberin. Ich freue mich über deinen Besuch.

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