Der letzte Tanz

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Wie lange ist es schon her, seit ich dich zum ersten Mal auf der Tanzfläche entdeckt habe? Damals haben wir für Geld getanzt, tage- und nächtelang, immer zu der selben Musik, manchmal auch in der Stille. Wir haben gelacht, gegähnt, über Fußschmerzen gejammert, schlechtes Essen gegessen, uns über Überstunden gefreut und gleichzeitig geschimpft. Und wir hatten Spaß. Kommt es dir auch vor, als wäre es gestern gewesen?

An diesen Tagen sahen wir die hipsten Schauspieler Deutschlands und fühlten uns wie pubertierende Teenager. Man hört ja oft, dass Stars und Sternchen auch nur normale Menschen seien, aber man kann das erst richtig beurteilen, wenn man sie live erlebt hat. Und siehe da, sie waren Menschen wie du und ich. Sie schwitzten, ihr Make-Up verschmierte, sie mussten sich vor Erschöpfung hinsetzen. Sie lachten, sie aßen. Sie benutzten dieselben Toiletten wie wir. Und doch kamen sie mir nicht nur normal vor. Sie stachen aus der Menge heraus. Ihre Gesichter waren wie eine Formel, die man irgendwann auswendig gelernt hat und die einem deshalb vertraut vorkommt. Sie zogen alle Blicke auf sich, sahen selbst jedoch entweder in die Leere oder auf den Boden. Aber nett waren sie, wenn Leute sie nach Selfies fragten. Und wir beide genossen es, sie aus der Ferne zu bewundern.

Erinnerst du dich noch an die Mädchen, die entweder extrem engagiert oder einfach nur kamerageil waren, so dass sie, sobald die Kamera lief, uns zur Seite schubsten, sich in den Vordergrund drängten und alles taten, nur um „entdeckt“ zu werden? Wie wir darüber gelacht und gelästert haben. „Traumfrauen wie wir haben so etwas eben nicht nötig!“ Wieder neues Gelächter. Letztendlich waren wir in dem Film nicht zu sehen, aber dafür haben wir uns gefunden und das ist die beste Art, entdeckt zu werden.

Kurz nach dem Dreh erfuhren wir, dass der Club, in dem alles stattfand, seine Tore schließen wurde. Ein letztes Mal hatte er noch für den Film geöffnet, ein letztes Mal wurde Musik gespielt. Und wir waren die Letzten, die sich auf der Tanzfläche bewegten und deren Lachen an den Wänden haften blieb. Als wir dem Club das letzte Mal den Rücken kehrten, blies uns der warme Sommerwind ins Gesicht. Die Lichter der Friedrichstraße tanzten noch zu unseren Schritten. Das laute Kichern verblasste erst, als wir auseinander gingen. Das war das Ende einer Dreharbeit, das Ende eines Clubs. Und so begann meine „Karriere“ als Komparse. So begann unsere Freundschaft.

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Autor: metropolenherz

Ich bin Thao Tran - Studentin, Reisende, Kunst- und Literaturliebhaberin. Ich freue mich über deinen Besuch.

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